Wickelintervalle

Immer wieder fragen neue Stoffi-Eltern, ob es normal ist, dass die Windel „schon“ nach drei Stunden komplett nass ist oder gar ausläuft und was man dagegen tun kann.  

Die Antwort könnte ganz einfach sein: Mit mehr und gutem Saugmaterial kannst du die Windel ganz individuell füllen und die notwendigen Wickelintervalle verlängern. Natürlich kann es passieren, dass der Windelpopo dann deutlich dicker wird. Welche Einlagen du verwenden „solltest“, hängt von deinen Vorlieben und dem Ausscheidungsverhalten deines Babys ab. Die Häufigkeit und Menge, die ein Baby pieselt, ist individuell; sie kann von der Tageszeit, dem Alter und der aktuellen Trinkmenge abhängen. Daher gebe ich diesbezüglich keine allgemein gültigen Tipps.

Vielmehr möchte ich das Thema einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

 

Natürlich gibt es Situationen, in denen es schwierig ist, die Wickelintervalle kurz zu halten. Im trubeligen Alltag, vor allem mit mehreren (Wickel-)Kindern, ist es nicht immer einfach, häufiger zu wickeln. Sehr oft liegt das eigentliche Problem aber woanders – nämlich in unserem Kopf. Ich bemerke immer wieder eine oft unbewusste, eher negative Einstellung zum Wickeln.

Die meisten Eltern – ich war anfangs nicht anders – möchten möglichst wenig wickeln und dann fix fertig sein, um möglichst wenig mit den Ausscheidungen des Babys zu tun zu haben. Wenn die Windel randvoll ist, heißt es: Windel auf, abwischen, zusammenfalten und weg damit. Und dann am besten schnell eine neue Windel drum, damit nichts daneben geht… So ungefähr sieht bei vielen die Wickelroutine aus. Bei dir auch?

 

Es geht auch anders, wir müssen nur ein wenig Umdenken, die die Einstellung macht’s: Wickeln ist kein lästiges Übel, sondern eine nette Beschäftigung mit deinem Baby. Du kannst dein Baby beim Wickeln kuscheln, mit ihm singen und spielen, massieren… Was immer ihr beide mögt. Versuche, dir wirklich Zeit im Alltag für das Wickeln deines Babys zu nehmen. Ich weiß, dass das leichter gesagt als getan ist, aber versuch es doch einmal.

 

Ein weiteres Problem ist in meinen Augen die Prägung durch Werbung von Herstellern von Wegwerfwindeln. Diese Werbung suggeriert uns, dass eine gute Windel extrem saugstark ist und laaaange halten soll. Bis zu 12 Stunden? Sogar tagsüber? Ernsthaft?! Ich habe keine Ahnung, wie lange solche Windeln wirklich halten bis sie auslaufen oder platzen? Ich will es auch gar nicht wissen! Denn wollen wir wirklich unser Baby so lange in seinen Ausscheidungen liegen lassen? Selbst wenn es nur gepinkelt hat und die nasse Windel sich ja so schön trocken anfühlt.

Ich persönlich finde es respektlos dem Baby gegenüber. Wir möchten auch nicht stundenlang in unseren Ausscheidungen herumlaufen. In Altenheimen empfinden wir es als menschenunwürdig, wenn die alten Leute wegen Personalmangel lange in Windeln liegen müssen. Aber für Babys soll das völlig in Ordnung sein? Ich sehe da keinen großen Unterschied. Denn auch kleine Babys haben das Bedürfnis, sauber und trocken zu sein. Oft sagen sie uns sogar, dass sie mal müssen oder eine frische Windel haben wollen, die meisten Eltern haben nur nie gelernt, die Signale des Babys zu verstehen. Das Verstehen dieser Zeichen ist jedoch die Basis der Ausscheidungskommunikation, dem sogenannten Windelfrei-Konzept. Windelfrei praktizierende Elter gehen noch weiter als häufiger zu wickeln und versuchen, dem Baby die Möglichkeiten zu geben, komplett ohne Windel zu machen. Aber das ist wieder ein großes Thema für sich.

 

So weit muss natürlich nicht jeder gehen. Mir ist es einfach wichtig, eine babyfreundlichere Sichtweise auf das Wickeln und die Wickelintervalle zu bekommen. Genießt das Wickeln, nehmt euch –  sofern möglich – Zeit und wechselt die Windel, wenn ihr merkt, dass eine Pipiladung reingekommen ist. Mit waschbaren Stoffis ist das nicht einmal Materialverschwendung. Ihr werdet merken, dass ihr mit ein wenig Übung in so ziemlich jeder Lebenslage wickeln könnt. Und wenn es dann mal schnell gehen soll, wird das auch kein Problem mehr sein.

Euer Baby und seine Haut werden es euch danken! Im Gegenzug habt ihr dann vielleicht ein Kleinkind, dass recht früh trocken wird?!